Huberpflug

Mit Initiierung des Zentrums für „Biogene Wertschöpfung und Smart Farming“ erweiterte das IGP seine Geschäftsfelder um den Bereich der Land- und Umwelttechnik. Ein erstes, umfangreiches Projektvorhaben, das sich in diesem Kontext verorten lässt, ist die Weiterentwicklung des „Huberpfluges“. Hierbei wird auf das umfassende produktionstechnische Know-How des IGP zurückgegriffen, um den Projektpartner entlang des gesamten Entwicklungsprozesses der Bodenbearbeitungstechnik zu begleiten und zu unterstützen.

© Fa. Huber
Abb. 1: Werkzeuge des Huberpfluges
© Fraunhofer IGP
Abb. 2: Technischer Prototyp des IGP
© Fraunhofer IGP
Abb. 3: Revidierter Teilesatz für die Pilotserie des Huberpfluges

Maschinen und Geräte für die Bodenbearbeitung greifen mechanisch in das bestehende Bodengefüge ein, um günstige Wachstumsbedingungen für die Kulturpflanzen zu schaffen. Sie sind mit einer Vielzahl von Werkzeugen ausgestattet, die gegenüber dem Boden bewegt werden, um dessen Verschiebung, Deformation und Zerkleinerung zu verursachen. Das ganzflächige Wenden einer Krumenschicht definierter Tiefe versteht sich hierbei als „Pflügen“. Anhand der am Rahmen des Pfluges angebrachten Arbeitswerkzeuge wird generell zwischen dem Schar- und dem Scheibenpflug unterschieden. Beiden Ausführungen ist gemein, dass sie prinzipiell ein Werkzeug nutzen, um zwei Funktionen – das Einschneiden und anschließende Wenden des Ackerbodens – zu erledigen. Diese Diskrepanz veranlasste den österreichischen Ingenieur Herrn Franz-Ferdinand Huber ein neuartiges Bodenbearbeitungswerkzeug zu entwickeln.

Der seit 2017 in mehreren Entwicklungsstufen patentierte „Huberpflug“ basiert auf einem wechselseitig arbeitenden Wendepflug, der aktuell mit bis zu sechs „Pflugmodulen“ pro Fahrtrichtung ausgestattet werden kann. Erfindungsgemäß wird der ursprüngliche Scharpflugkörper in zwei separate Elemente, jeweils für eine Funktion, aufgelöst. Dies soll dem Anwender ermöglichen, bei jeglichen Feldbedingungen entsprechend der jeweiligen Teilaufgabe mit den optimalen Werkzeugen hinsichtlich Zugkraftbedarf und Materialverschleiß zu arbeiten. Hierbei setzt der Erfinder auf eine bezüglich der Fahrtrichtung geneigte Hohlscheibe mit einem davor angeordneten, horizontal schneidenden starren Messer oder einer drehbar gelagerten Scheibe (Abbildung 1).

  1. Wendescheibe
  2. Scheibenlagerung
  3. Unterschneidmesser
  4. Unterschneidscheibe
  5. Trommellager
  6. Spindel

Nachdem von der in München ansässigen Unternehmensgruppe in Eigenregie verschiedene Funktionsmuster gefertigt und getestet wurden, erfolgte die Beauftragung des IGP, um in einem gemeinsamen Entwicklungsvorhaben die Funktionalität des „Huberpfluges“ unter Beweis zu stellen und diese Pflugvorrichtung bis zum Markteintritt bei Testeinsätzen und konstruktiven Arbeiten zu begleiten.

Für diesen Zweck wurden vom IGP im Sommer 2021 in den Regionen um Teterow und Pasewalk Feldtests organisiert, in deren Fokus die Handhabung und die Praxistauglichkeit der zur Verfügung gestellten Pflugvorrichtungen stand. Anhand der gesammelten Ergebnisse und erhobenen Daten wurde eine Vorzugsvariante ausgewählt und anschließend konzeptionell sowie konstruktiv modifiziert.

In der Folge wurde auf Basis eines 6-Schar-Drehpfluges ein technischer Prototyp realisiert, für den die Firma Ostseestaal aus Stralsund die benötigten Brennteile und Schweißbaugruppen lieferte (Abbildung 2).

Die montierten Pflugscheiben wurden von den Kollegen der „Technischen Dienste“ des IGP nach Kundenwunsch mechanisch bearbeitet. So konnte der Pflug in Rostock montiert und im Oktober 2021 auf dem Gut Dummerstorf in den Ersteinsatz gebracht werden. Nach weiteren, aussichtsreichen Testeinsätzen erfolgte eine systematische Revision des Konstruktionsstandes, um das Modell in eine Pilotserie zu überführen (Abbildung 3).

Parallel zu den aufgeführten Entwicklungsschritten, die von der Gruppe „Automatisierungstechnik“ übernommen wurden, erarbeiteten die Teams der „Produktionsplanung und -steuerung“ sowie der „Fabrik- und Arbeitsorganisation“ Konzepte für die derzeit im Bau befindliche Fertigungsstätte der Firma in Pasewalk. Diese beinhalten ein initiales Produktionslayout, die Gestaltung der Arbeitsprozesse sowie den digitalisierten Produktionsprozess.

Projektpartner

  • Frank Westermann: Huber Landtechnik GmbH, Am Schlachthof 6, 17309 Pasewalk