Mehr Sicherheit bei der Wartung von Offshore-Windenergieanlagen: Unter Wasser beschichten

Wellengang, Salz und UV-Strahlung sind starke Belastungen für maritime Strukturen. Das Fraunhofer IGP untersucht im Rahmen der Forschungsgruppe Fraunhofer Smart Ocean Technologies SOT wie Korrosionsschutz Unterwasser aufgetragen werden kann.

© Fraunhofer IGP
Wissenschaftlerin Valeska Cherewko im Labor des Fraunhofer IGP
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Rostock.  Wie wichtig Korrosionsschutz für Offshore-Windenergieanlagen ist, zeigt sich, wenn maritime Strukturen längere Zeit Belastungen auf dem offenen Meer ausgesetzt sind. Die Instandhaltung von Offshore-Parks verursacht hohe Kosten, denn sie ist wetterabhängig und erfolgt vor Ort über und unter der Wasseroberfläche. Das ist nicht nur teuer, sondern zum Teil aufgrund der äußeren Umstände auch gefährlich. Das Fraunhofer-Institut für Großstrukturen in der Produktionstechnik IGP forscht im Projekt »Unterwasser-Instandhaltung« an einem Verfahren zum sicheren Auftragen von Korrosionsschutz unter Wasser.

Valeska Cherewko, Wissenschaftlerin am Fraunhofer IGP, beschäftigt sich im Rahmen der Forschungsgruppe mit dem Themenschwerpunkt Unterwasserbeschichten. »Die Offshore-Windindustrie hat in den vergangenen Jahren ein rasantes Wachstum erfahren. Auch der Ampel-Koalitionsvertrag gibt grünes Licht für ihren weiteren Ausbau. Dass sich der Markt so schnell entwickelt hat, geht auch damit einher, dass in den kommenden Jahren Instandhaltungsarbeiten an einer Vielzahl von Bauwerken erforderlich werden«, erklärt Cherewko. Ziel des Forschungsprojektes ist die mechanisierte Unterwasser-Applikation von Korrosionsschutzbeschichtungen mittels eines Unterwasser-Fahrzeugs. »Der entwickelte Beschichtungsprozess kann zukünftig als Reparaturverfahren für Beschichtungsschäden an Offshore-Gründungsstrukturen dienen. Bis der Prozess in der Offshore-Umgebung angewendet werden kann, ist das natürlich ein langer Weg. In den Laboren des Fraunhofer IGP haben wir zahlreiche Versuche durchgeführt. Hierfür haben wir einen Versuchsstand errichtet und uns somit ‚die Ostsee ins Labor geholt‘. Im Frühjahr 2022 geht es dann für die ersten Tests in die Warnow«, so die Forscherin.

Durch die Nutzung von Unterwasserfahrzeugen kann auf risikoreiche Tauchereinsätze verzichtet werden. Das erhöht die Arbeitssicherheit auf hoher See. Die Instandhaltungskosten werden reduziert, weil die Arbeiten weniger wetterabhängig sind. »Das Unterwasser-Beschichten als Smart-Repair-Verfahren für Schäden an Korrosionsschutzbeschichtungen von Offshore-Windenergieanlagen kann einen Beitrag zur Standzeitverlängerung der Bauwerke leisten. Das Thema Nachhaltigkeit ist natürlich in aller Munde. Um die Energiegewinnung noch grüner zu machen, brauchen wir aber genau solche Prozesse«, betont die Wissenschaftlerin den hohen Stellenwert der Nachhaltigkeit.

Unter dem Namen Fraunhofert Smart Ocean Technologies SOT arbeiten die Fraunhofer-Institute IGP, IGD, IOSB und IKTS in Rostock in einer interdisziplinären Forschungsgruppe zur Unterwassertechnologie zusammen. Das Fraunhofer SOT adressiert praxisrelevante Forschungsfragen für Zukunftsanwendungen, wie Offshore-Wind-Industrie, und ist Teil des Großprojektes »Ocean Technology Campus« (OTC) am Rostocker Fischereihafen. Das »Digital Ocean Lab« (DOL) in Nienhagen ist das Herzstück des Projekts - ein umfangreiches Unterwasser-Testfeld in der Ostsee. Zusammen mit den Projekten leistet das Fraunhofer SOT einen wesentlichen Beitrag zur Entwicklung Rostocks zu einem international führenden Standort für Unterwassertechnologie.

Weitere Informationen:
Fraunhofer SOT
Projekt Unterwasser-Instandhaltung