BioFKVSchiff

BioFKVSchiff - Steigerung der Witterungsbeständigkeit biobasierter Faserkunststoffverbunde für den Einsatz im Schiffbau

Angesichts des globalen Temperaturanstieges muss die Schifffahrt, die derzeit etwa 2,89 % (Stand 2018) der anthropogenen Emissionen weltweit ausmacht, Mittel für einen CO2-reduzierten Produktionsprozess und Betrieb finden. Der materielle Leichtbau mit Faserkunststoffverbunden (FKV) birgt großes Potenzial, um die Antriebsleistung, den Treibstoffverbrauch und die Treibhausgas-Emissionen von Schiffen zu verringern. Der Herstellungsprozess konventioneller Fasern und Kunststoffe ist allerdings mit einem hohen CO2-Ausstoß verbunden. FKV auf Basis nachwachsender Rohstoffe, sogenannte Bio-FKV, besitzen ein niedrigeres Treibhausgas-Potenzial, da die Ausgangsmaterialien beim Wachstum CO2 binden. Biobasierte Verbundwerkstoffe sind somit vielversprechende Alternativen, deren Einsatz dazu beitragen kann, die globale Schifffahrt langfristig nachhaltig zu gestalten.

Grafik die die Einflussfaktoren und resultierende Schädigungesmechanismen auf die Langzeitbeständigkeit von Bio-FKV veranschaulicht.
© Fraunhofer IGP
Einflussfaktoren und resultierende Schädigungesmechanismen auf die Langzeitbeständigkeit von Bio-FKV.
Foto der Freibewitterungsanlage auf der Insel Hiddensee.
© Fraunhofer IGP
Probekörper im Projekt BioFKVSchiff im IGP-Freibewitterungsgarten auf Hiddensee.
Foto des Statisonsschiffs Elbe bei Sonnenuntergang auf dem sich der Probekörper befindet.
© Fraunhofer IGP
Probekörper im Projekt BioFKVSchiff auf dem Stationsschiff Elbe der Lotsenbrüderschaft Elbe.

Herausforderung

Für den Einsatz von FKV-Bauteilen in maritimen Anwendungen stellt eine gute Witterungsbeständigkeit gegen UV-Strahlung und Feuchtigkeit eine Hauptanforderung dar. Während konventionelle FKV aufgrund ihrer Korrosionsbeständigkeit auch gegenüber Stählen im Vorteil sind, stoßen Bio-FKV im maritimen Außenbereich aber ihre Grenzen. Problematisch ist insbesondere die hohe Feuchtigkeitsaufnahme der hydrophilen Pflanzenfasern sowie der photochemische Abbau der Biopolymere. Die harschen maritimen Bedingungen schwächen die Verbundstruktur und beeinträchtigen die Leistungsfähigkeit des Verbundes. Derzeit fehlt es am nötigen Know-how bei der materialgerechten Herstellung sowie an verlässlichen Erfahrungswerten beim langfristigen Einsatz der Bio-FKV unter Berücksichtigung von Schädigungen und Imperfektionen, was den Einsatz von Bio-FKV im Schiffbau hemmt.

Zielstellung und Lösungsweg

Ziel des Forschungsvorhabens »BioFKVSchiff« ist es biobasierte FKV zu entwickeln, die durch eine optimierte Fertigung und Beschichtung ein Eigenschaftsprofil besitzen, dass den Langzeiteinsatz im maritimen Sektor ermöglicht. Die Untersuchungen konzentrieren sich auf flachsfaserverstärkte Bio-Epoxidharze, da ihr gutes Eigenschaftsprofil und die hohe Verfügbarkeit am Markt einen schnellen und dauerhaften Transfer der Werkstoffe in die maritime Branche ermöglichen. Durch eine materialspezifische Herstellung und Beschichtung werden die Ausgangseigenschaften der Bio-FKV verbessert und gleichzeitig die Langzeitbeständigkeit optimiert. Um realitätsnahe Einsatzbedingungen zu simulieren, wird ein Teil der Probekörper zunächst künstlich mit Schadstellen versehen. Anschließend werden die Probekörper einer natürlichen Feldauslagerung und einer künstlichen Laborbewitterung unterzogen. Dabei werden in regelmäßigen Abständen Proben entnommen, um den Degradationsprozess während der Bewitterung bewerten zu können.

Nutzen

Auf Basis der Versuchsergebnisse wird eine Methodik abgeleitet, welche die Dauer der Laborbewitterung über einen Proportionalitätsfaktor mit der Expositionszeit einer Freibewitterung in Relation stellt. Durch die Methodik soll die natürliche Alterung von Bio-FKV durch eine beschleunigte Laborbewitterung realitätsnah abgebildet werden können. Die Ergebnisse des Forschungsvorhabens werden in eine Anwenderrichtlinie gesammelt, welche die Lagerung, Vorbehandlung und Verarbeitung von Naturfaser-Halbzeugen und Bio-Polymeren regelt und die Fertigung und Prüfung langzeitbeständiger Bio-FKV für schiffbauliche Anwendungen ermöglicht. Gleichzeitig trägt die Anwenderrichtlinie dazu bei, das Vertrauen in die Bio-FKV zu stärken und ermöglicht es KMU wie Faserverbundherstellern und Zulieferern, nachhaltigere Produkte anzubieten und so neue Geschäftsfelder zu erschließen.

Projektpartner

  • GREENBOATS GmbH
  • Fr. Lürssen Werft GmbH & Co. KG
  • Abeking & Rasmussen Schiffs- und Yachtwerft SE
  • TAMSEN MARITIM GmbH
  • FR. FASSMER GmbH & Co. KG
  • Meyer Werft GmbH
  • FUSE GmbH
  • tfc tools for composite GmbH
  • Baltico GmbH
  • ar engineeres GmbH

Förderhinweise

Das IGF-Vorhaben 01IF23432N »BioFKVSchiff« der Forschungsvereinigung Schiffbau und Meerestechnik e.V. (FSM) wird über den DLR Projektträger im Rahmen des Programms zur Förderung der Industriellen Gemeinschaftsforschung (IGF) vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE) aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages gefördert. Das Projekt hat eine Laufzeit vom 01.10.2024 bis 30.06.2027.