Analyse, Simulation und Modifizierung der anisotropen Eigenschaften faserverstärkter Klebstoffe

© Nordex SE
Applikationsbeispiel einer fertigungsnahen Klebstoffraupe
© TU Braunschweig
Ausschnitt aus einer µ-CT-Aufnahme zur Detektion von Lufteinschlüssen (umrandet), Glasfasern (hell) und Klebstoffmatrix (dunkel), aufgenommen im Zuge der Kontrastoptimierung

Problemstellung

Die Ursache und Wirkung der prozessbedingten, anisotropen Ausrichtung von Kurzfasern in duroplastischen Strukturklebstoffen ist derzeit noch wenig verstanden. Es sind Einflussgrößen zu definieren, um sich die hieraus ergebenen Stellgrößen nutzbar machen zu können. Das aus den Untersuchungen resultierende vertiefte Materialverständnis hinsichtlich der lokalen Füllstoffbewegung und -ausrichtung eröffnet neue Modellierungs- und Simulationsmöglichkeiten zur numerischen Betrachtung der Klebstoffapplikation sowie des Fügeprozesses mit dem Potential, die Eigenschaften von Klebverbindungen gezielt zu beeinflussen und spezifischen Anforderungen anzupassen.

Zielstellung und Lösungsweg

Es werden die Klebstoffeigenschaften und -kennwerte sowie die Verbindungsfestigkeiten betrachtet, welche sich aus verschiedenen Applikationsprozessen und Fügeteilmaterialien sowie den daraus resultierenden Orientierungen der faserförmigen Füllstoffe ableiten lassen. Mittels zerstörungsfreier μ-CT-Analytik werden die mit variierten Parametern hergestellten Klebstoff- und Verbundproben hinsichtlich des dreidimensionalen Aufbaus der Klebschicht analysiert. Die hierbei abgeleiteten versuchstechnischen Kalibrierdaten dienen der Validierung der auf Basis einer rheologischen Charakterisierung des Klebstoffs entwickelten CFD-Modelle, welche der numerischen Beschreibung des Klebstoffapplikationsprozesses dienen.

Nutzen

Mit genauem Wissen um die Beeinflussung der Klebstoffeigenschaften wird es ermöglicht, kurzfaserverstärkte, klebtechnisch gefügte Konstruktionen unter Berücksichtigung der herstellungsspezifischen mechanischen Klebstoffeigenschaften anwendungsoptimiert und sicher auszulegen, zu planen und simulativ abzubilden. Bestenfalls lassen sich die resultierenden anisotropen mechanischen Eigenschaften des Klebstoffs gezielt nutzen, um die zum Einsatz kommenden Klebstoffvolumina technisch und wirtschaftlich zu optimieren.

Projektpartner

  • TU Braunschweig, Institut für Füge- und Schweißtechnik
  • Universität Rostock, Lehrstuhl für Mikrofluidik
  • Altair Engineering GmbH
  • Ansys Switzerland GmbH
  • ar engineers GmbH
  • Chemnitzer Werkstoffmechanik GmbH (CWM)
  • composite consult GmbH
  • DELO Industrial Adhesives
  • GNS Gesellschaft für numerische Simulation mbH
  • Hauschild GmbH & Co. KG
  • Hexion Stuttgart GmbH
  • Hinterwaldner Consulting Stephan Hinterwaldner
  • KLEBTECHNIK Dr. Hartwig Lohse e.K.
  • LEUNA-Harze GmbH
  • Nordex Energy GmbH
  • Rocholl GmbH
  • medmix Switzerland AG
  • TAMSEN MARITIM GmbH
  • tfc tools for composite GmbH

Förderhinweise

Das IGF-Vorhaben 22224 BG der AiF-Forschungsvereinigung DECHEMA e. V., Theodor-Heuss-Allee 25, 60486 Frankfurt/Main wurde über die Arbeitsgemeinschaft industrieller Forschungsvereinigungen (AiF) im Rahmen des Programms zur Förderung der industriellen Gemeinschaftsforschung und -entwicklung (IGF) vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages gefördert. Für die finanzielle Förderung und die organisatorische Betreuung sei an dieser Stelle gedankt. Weiterer Dank gilt allen kooperierenden Industriepartnern für die gute Zusammenarbeit im Rahmen des Projektes. Das Vorhaben wird an den Instituten TU Dresden / Professur für Fügetechnik und Montage und Fraunhofer IGP Rostock durchgeführt.