Digitalisierung in der Landwirtschaft
Die Energiewende in Deutschland schreitet voran. Im ersten Quartal 2026 lag der Anteil erneuerbarer Energien am Strommix in Deutschland bereits bei 54,5%. Doch gerade auf kommunaler Ebene bleibt der Nutzen für Bürgerinnen und Bürger oft unsichtbar. Gleichzeitig erschweren volatile Einspeisungen aus Wind- und Solaranlagen eine verlässliche Planung in der Landwirtschaft und Industrie. Landwirtschaftliche Betriebe nehmen dabei eine Schlüsselrolle als Energiewirte ein. Das Projekt Vorraiter setzt hier an und verbindet betriebliche, kommunale und strategische Perspektiven in einer digitalen Anwendung zur regionalen Energieplanung.
Herausforderung
Landwirtschaftliche und industrielle Betriebe stehen vor der Aufgabe, steigende und zunehmend volatile Strommarktpreise in die betriebliche Planung und Steuerung einzubeziehen. Obwohl viele Betriebe bereits über Photovoltaik- oder Windenergieanlagen verfügen, erfolgt bislang keine systematische Optimierung des Eigenverbrauchs. Energieintensive Tätigkeiten werden häufig unabhängig von der tatsächlichen Verfügbarkeit der eigenen Erzeugung terminiert. Dadurch bleiben erhebliche Potenziale zur Kostensenkung und zur Erhöhung des Autarkiegrads ungenutzt. Gleichzeitig fehlt es auf kommunaler Ebene an Transparenz über regionale Energieeinspeisung und Energiebedarf. Dies hat häufig eine Begrenzung der gesellschaftlichen Akzeptanz für den Ausbau der erneuerbaren Energieanlagen zur Folge.
Zielstellung und Lösungsweg
Ziel des Projekts ist die prototypische Entwicklung einer Webapplikation, die landwirtschaftlichen und industriellen Betrieben eine systematische Grundlage zur energieorientierten Planung bietet. Die Anwendung berechnet standortspezifisch die prognostizierte Einspeisung aus betriebseigenen Photovoltaik- und Windenergieanlagen auf Basis meteorologischer Daten und verknüpft diese mit dem betrieblichen Energiebedarf, der aus den Lastprofilen der geplanten Prozesse resultiert. Über eine integrierte Planungssicht können Betriebe ihre Aktivitäten gezielt in Phasen hoher Eigenerzeugung terminieren. Dadurch wird der Eigenverbrauchsanteil planbar erhöht. Auf Gemeindeebene werden die Einspeisewerte der erneuerbaren Energieanlagen eines Landkreises aggregiert und als regionale Energiebilanz dargestellt. Die Landesebene stellt für Mecklenburg-Vorpommern die strategischen Ausbauziele dem tatsächlichen Installationsverlauf gegenüber und kennzeichnet Gebiete mit Energieüberschuss kartographisch. Durch diese Transparenz über alle drei Ebenen entsteht eine nachvollziehbare Informationsgrundlage, die sowohl die betriebliche Kostenoptimierung als auch die gesellschaftliche Akzeptanz für den weiteren Ausbau erneuerbarer Energien unterstützt.
Nutzen
Landwirtschaftliche und industrielle Betriebe profitieren von der gezielten Planung und Steuerung energieintensiver Tätigkeiten auf die prognostizierte Eigenerzeugung. Der Eigenverbrauchsanteil wird planbar verbessert und der Autarkiegrad gesteigert. Gemeinden erhalten über die aggregierte regionale Energiebilanz eine fundierte Entscheidungsgrundlage für den Ausbau erneuerbarer Energieanlagen. Zugleich kann die eigene Position mit anderen Kommunen energetisch verglichen und eingeordnet werden. Für Bürgerinnen und Bürger schafft die Plattform die Transparenz darüber, wie viel erneuerbare Energie in der eigenen Region umgewandelt wird. Dies stärkt die gesellschaftliche Akzeptanz und bildet perspektivisch die informatorische Grundlage für künftige Ansätze (u.a. Energy Sharing).
Fraunhofer-Institut für Großstrukturen in der Produktionstechnik IGP