Werft 4.0 - Produktivitätssteigerung im Schiffbau durch flexible Digitalisierung

Digitalisierung nach Maß: Lürssen und Fraunhofer machen Schiffbau effizienter und steigern Termintreue

Wie bleibt der deutsche Spezialschiffbau wettbewerbsfähig? Die Lürssen Werft und das Fraunhofer IGP zeigen, wie zielgerichtete Digitalisierung die Effizienz, Qualität und Termintreue messbar steigert. Statt Technologie zum Selbstzweck stehen klare Kennzahlen im Fokus: kürzere Durchlaufzeiten, weniger Nacharbeit und eine ausbalancierte Auslastung. Das Ergebnis: ein skalierbares, werfttaugliches Informationsmanagement- und Steuerungssystem, das Mitarbeitende vom Shopfloor bis ins Werksbüro unterstützt und komplexe Prozesse transparent macht.

© Fraunhofer IGP
Digitale Datenversorgung in der Produktion

Problemstellung

Die deutschen Werften bauen unter hohem Kosten- und Termindruck komplexe, kundenindividuelle Spezialschiffe. Dabei hemmen Komplexität, Kommunikationsbrüche und Zeitaufwände die Effizienz. Im Schiffbau wird dies durch Unikatfertigung, Concurrent Engineering, wechselnde Fertigungsprinzipien und raue Umgebungsbedingungen zusätzlich verschärft. Standard-BDE- und ME-Systeme decken diese Spezifika kaum ab. Gleichzeitig müssen ERP, PLM und CAD integriert und Datensilos aufgebrochen werden. Gefordert ist eine skalierbare, nutzernahe Lösung, um die Lücke, welche zwischen Anspruch und Wirklichkeit der Industrie‑4.0‑Reife klafft, zu schließen. 

Zielstellung und Lösungsweg

Nach vorgelagerter Prozessanalyse wurde ein durchgängiger digitaler Informationsfluss definiert. Statusdaten und Zeitstempel entstehen entlang der Kette durch Scannen von mittels Direct‑Part‑Marking aufgebrachten 2D-Barcodes. Stationäre und mobile Terminals stellen Zeichnungen, Stücklisten und Aufträge kontextbezogen aus. Das Planungstool orchestriert ERP-, PLM- und CAD-Daten gemeinsam mit Shopfloor-Informationen. In der Ausführung wird ein kontinuierlicher Soll‑Ist‑Abgleich gewährleistet. Gleichzeitig werden Bauteile, die sich in der Änderung befinden, automatisch gesperrt, um Ausschuss und Nacharbeit zu vermeiden.

Nutzen

Die Produktivität konnte durch das Vorhaben signifikant gesteigert werden:

  • geringere Kosten durch kürzere Durchlauf- und Nebenzeiten,
  • stabile Qualität dank aktueller Daten,
  • höhere Termintreue und
  • besser planbare Auslastungen.

Die werfttaugliche Lösung beseitigt Datensilos und beschleunigt Entscheidungen über alle Ebenen hinweg. Sie stärkt die Wettbewerbsfähigkeit im Spezialschiffbau und schafft die Datenbasis für den nächsten Schritt: Prognosen und Simulationen in Planung und Steuerung.

Projektpartner

  • Lürssen Werft Bremen GmbH & Co. KG

Einblicke in die digitale Werft der Zukunft

Das Video gibt einen Einblick in die Zusammenarbeit zwischen der Lürssen Werft und dem Fraunhofer IGP. Vor Ort auf dem Werftgelände werden die gemeinsamen Forschungsansätze, Ziele und digitalen Lösungen vorgestellt, die zur Steigerung von Effizienz, Qualität und Transparenz im Spezialschiffbau untersucht werden.

Videograf und Editor: Björn Fischer